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Treffen mit Franco Thamér

Lehrbeauftragter für Kultur trifft den Künstler am Chiemsee


Dienstag im April 2013: Treffpunkt mit Franco Thamér an einer Promenade am Chiemsee. Der Chiemsee vor Augen erinnert an seine Kindheit. Ein kleines Boot am Wörthersee in Kärnten setzte ihm vor Jahrzehnten den Floh des „weltensehnsüchtigen“ Entdeckers ins Ohr. Nach längst vergangenen Studienjahren unter anderem beim renommierten Kunstprofessor Ludwig Heinrich Jungnickel, nächtelangen Diskussionen mit Friedensreich Hundertwasser im berühmten Cafe Hawelka in Wien, seinem eigenen Künstlercafé „La Vie“ in Köln und Reisen in die ganze Welt ist er international längst im Kreis der Künstler angekommen. Thamér sucht mit seiner inneren Haltung stets einen bemerkenswert tiefgründigen Austausch mit den Gestalten der Schöpfung. Ob als Naturbursche, Student, Künstler, Designer, Vater, Mentaltrainer oder Modeschöpfer und zurück – von Beginn an spüre ich seinen bis heute ungebändigten Willen zu einem kompromisslos kraftvollen Ausdruck, komponiert mit bemerkenswert vitaler Spannkraft. Ich spüre unmittelbar seine intensive Wahrnehmungsgabe und ahne die vulkanische Intensität seines Künstler(er)lebens.

Von Beginn an lenkt er den Blick über den Chiemsee auf die unterschiedlichen Stimmungen des Himmels- und Alpenpanorama und öffnet dabei die Tür zu den von ihm so tiefgründig und existenziell bedeutsam erlebten Farbtönen. Die Farbensprache der Natur ist Zeit seines Lebens wohl eines der Schlüsselsymbole für Franco Thamér. Ob auf dem ergründenden Weg durch Höhen und Tiefen der menschlichen Seele für eine positive Ausrichtung oder anderen Gefilden. Bei seinem Schaffensabstecher als Modeschöpfer ließ er einen unglaublich changierenden Stoff aus Wildseide und Kaschmir in einem einzigartigen Thamér Blau für seine Kollektion weltweit exklusiv weben. Eine der Quellen für seine ganz besonders durchdringende Wahrnehmungsgabe finde ich in seiner Kindheit. Diese durfte er traumwandlerisch vor allem in wilder Natur und insbesondere einer magischen Tropfsteinhöhle erleben, dem „Eggerloch“. Hier zog er sich oft zurück um in Ruhe, absoluter Stille und Abgeschiedenheit bei völliger Dunkelheit neue innere Farbeingebungen zu erfahren. Als kleiner Junge verbrachte er zwei dramatische Tage und Nächte eingeschlossen in einem eingestürzten Schneeiglu. In Momenten todesnaher Besinnungslosigkeit offenbarten sich ihm die wunderbarsten Farbspektren und Lichterscheinungen in einer üblicherweise kaum zu erlebenden und damit unglaublichen Intensität. Sein leidenschaftlich gelebtes Leben treibt den Künstler Franco Thamér bis heute zu dem für ihn so typischen, gewaltigen und vielfältigen künstlerischen Ausdruck in großer Farbenfreude an.

In seinem Atelier spürt man das bedingungslos ausgelebte Verlangen nach der letztgültigen „Intensität“ im künstlerisch Möglichen – insbesondere von stimmungsvollem Licht: vielfältige Hintergrundmaterialien für einen außergewöhnlich intensiven Auftrag mit dem Pinsel, einzigartige Spachteltechniken, Oberflächenschemen und Strukturen. Ich ahne bereits, wie gewaltig in Zukunft seine inneren Bilder ihren figürlichen Ausdruck in Form von Skulpturen finden können. Fast siebzig porentief gelebte Lebensjahre stellen die Ideenvorlage für ein in Stil, Farbempfinden und maltechnischem Geschick herausragend geschultes Schaffen dar. Jedes einzelne Werk gerät zu einem gewaltigen Ausbruch farbenfreudiger Eindrücke aus dem Innersten des Menschen Franco Thamér.  Am Chiemsee schafft er einzigartige Kunstwerke, die förmlich vor mit allen Fasern und in allen existenziellen Bereichen gelebtem „Leben“ beben.


Ralf G. Bäuchl

(Fachautor und Lehrbeauftragter im Studiengang Kultur der Reinhold Würth Hochschule)




Biographie Franco Thamér